Meine Güte

Meine Güte!...?

Eine szenische Konzert-Collage

Glanz und Gloria! Geiz ist geil! Geld, Gier und Gehabe! Oder einfach: Genug

durch Seine Güte?

Der Mensch ist von Sehnsucht getrieben. Hinter unserem Materialismus,

unserer Gesellschaft, die nach immer schneller, mehr und besser drängt

und so das ungebremste Wachstum in Schwung hält, steckt wohl eine tiefe

Sehnsucht nach innerer Erfüllung. Diese Sehnsucht treibt den Menschen

an. Ohne die menschliche Sehnsucht nach Erfüllung nur als etwas Schlech-

tes hinzustellen, will das Ensemble u l t r a S c h a l l  neben der Sehnsucht auch dem alten

Wort  der «Genügsamkeit»  nachspüren. Es geht ihnen um  ein geheimnisvolles

Glück, das ausserhalb des Habens zu finden ist. 

Der Beter von Psalm 73 sagt: «Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.» Aber wir wollen immer mehr und das möglichst sofort haben. Leistung und

Ziele wollen wir erreichen – unserem Ego zuliebe. Wir wollen brillieren oder

notfalls negativ auffallen, um nicht ungesehen zu bleiben. Oder dann suchen

wir Glück, Seligkeit und innere Erfüllung in angenehmen Erlebnissen und

Abenteuern, manchmal sogar in unseren «selbstlosen» Diensten. Und aller

Anstrengung zum Trotz bleiben wir voller Sehnsucht.

Das attraktive am alten Wort «Genügsamkeit» ist im Wort selber enthalten.

Genug! Kann unsere Sehnsucht ausserhalb einer göttlichen Erfüllung gestillt

werden? Könnten die alten Arien und von Bach musikalisch umgesetzten

Psalmtexte nicht heute auch aktuell sein? Die Musiker und Tänzer wollen sich diese Fragen

stellen und dabei auch mit humoresken Elementen die Absurdität unserer

«schnellen und schnelllebigen Gesellschaft» beleuchten. Sie werden ausge-

wählte Texte aus diversen Bachkantaten alltäglichen und extremen Lebens-

situationen gegenübergestellt. Es geht um eine geheimnisvolles Erfüllung, die

ausserhalb von Erfolg, Leistung oder Konsum zu finden ist.


In einer seiner viel zitierten Tischreden sagt Luther: «So predigt Gott das

Evangelium auch durch die Musik.» Für Luther gehört also die Musik zum

Kern der Verkündigung. Dies hat eine Neuorientierung der Kirchenmusik zur

Folge. Die Einführung der italienischen Kantatenform in der evangelischen

Kirche rief ein lebhaftes «Für und Wider» hervor: Musiker waren begeistert,

Pietisten dagegen empört, weil sie es als zu opernhaft empfanden.